Die Streuobstwiese hilft der Natur – und braucht selber Hilfe!

Die Produkte der Streuobstwiesen
Streuobstwiesen gelten als Arche Noah für alte Obstsorten. Mehr als 1200 Apfelsorten, 1000 Birnensorten, 250 Kirschsorten und 320 Zwetschgensorten sind bekannt. (Apfel-, Birnen-, Kirsch- und Zwetschgenbäume habe ich ja bereits mit Fotos in den verschiedenen Wachstumsphasen mit Fotos dokumentiert und werde auch die weitere Entwicklung begleiten). Sie schmecken nicht nur wunderbar aromatisch, sonderntragen auch noch so hübsche Namen wie “Schafsnase”, “Gute Luise” oder “Lederhosenbirne”. Aucdie Walnuss und der Speierling sind typische Streuobstwiesenvertreter. Über Jahrhunderte haben sich durch Kreuzungsversuche oder Zufallssämlinge Sorten entwickelt, die einen besonders guten Geschmack oder andere Vorteile hatten. Manche Sorten eignen sich vorzüglich als Tafelobst, andere sind besonders resistent gegen Pilz- und Schädlingsbefall. Manche sind sehr gut lagerfähig, manche für die Herstellung von Marmeladen oder Gelees bestens geeignet, andere sind ideal als Kuchenbelag oder Mostobst. Neben all dem Obst ist auch Honig ein typisches Streuobstwiesenprodukt. Gerne platziert der Imker sein Bienenvolk, das vor allem auf die Apfelblüte “fliegt”, neben einer Streuobstwiese.
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Das Holz der Streuobstwiesenbäume ist edel und von guter Qualität. Birnbaumholz wird zum Beispiel im Musikinstrumentenbau verwendet. Und natürlich darf man auch die Produkte der Weidetiere – Milch, Käse, Wurst oder Wolle – nicht vergessen.
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Alle diese Punkte habe ich in früheren Beiträgen bereits kurz angerissen und werde darauf in später folgenden noch etwas detaillierter eingehen.

Die Streuobstwiese: Es ist kurz vor zwölf
Trotz all dieser tollen Eigenschaften sind die Streuobstwiesenbestände heute stark bedroht. Ein wirklich dramatischer Rückgang ereignete sich in den der 1960er und 1970er Jahren. Der Streuobstbau wurde damals als “betriebswirtschaftlich unrentabel” eingestuft und die Rodung von Streuobstwiesen sogar mit Landesmitteln gefördert, um Platz für effektiver zu bewirtschaftende Obstplantagen und Bauland zu machen. Erst Anfang der 1970er Jahre setzte ein Umdenkungsprozess ein. Das Landschaftsbild hatte sich inzwischen durch die Rodungen massiv verändert. Und Naturschützer beobachteten, dass viele heimische Vogelarten verschwunden waren. Sie erkannten, wie bedroht die wertvollen Biotope waren und schlugen Alarm.

Ein zwischenzeitlich bekannter Slogan zur Streuobstwiese:
Mosttrinker sind Naturschützer
Most
Wie konnten sie die Bevölkerung vom Nutzen der Streuobstwiesen am besten überzeugen? Im Vergleich zur Plantagen-Obsternte ist die Ernte auf der Streuobstwiese wesentlich mühseliger. Dazu kommt noch, dass es dort viele unterschiedliche Sorten gibt, die zu unterschiedlichen Zeiten reifen – es muss in mehreren “Gängen” geerntet werden. Keine Obstkelterei bezahlt diese Mühen angemessen, die Obsternte auf den Streuobstwiesen rechnete sich nicht mehr. Mitte der 1980er Jahre entwickelte eine Handvoll Naturschützer eine ebenso pfiffige wie nachhaltige Strategie. 1987 startetet der “Bund für Umwelt und Naturschutz” in Markdorf und Überlingen das erste Aufpreismodell: Die Mosterzeuger zahlen für Obst von der Streuobstwiese einen Aufpreis, der über dem marktüblichen Preis liegt. Als Gegenleistung darf sich der Verbraucher, der dann ein paar Cent mehr für seinen Apfelsaft bezahlen muss, darüber freuen, dass er einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Streuobstwiesen leistet. Bis heute – mehr als 20 Jahre später – hat sich diese Öko-Strategie gehalten.

Welche Zukunft hat die Streuobstwiese?
Immer noch gelten Streuobstwiesen als stark gefährdet. Ob ihre Zukunft rosig sein wird, hängt maßgeblich davon ab, ob genug Menschen dazu bereit sind, Zeit und Energie in die Pflege zu investieren. Dazu gehört der fachgerechte Baumschnitt. Der ist notwendig, sonst vergreisen die Bäume früh. Zweimal pro Jahr muss gemäht (und zwar korrekt gemäht und nicht nur „drüberrasiert“ werden, damit’s halt gemacht ist) und das Obst im Herbst geerntet werden. Was früher selbstverständlich war, ist heute zur zeitintensiven und unrentablen Herausforderung geworden. Doch mittlerweile besinnen sich wieder viele Menschen auf den Wert regionaler Erholungsräume. In einigen Städten gibt es inzwischen Streuobsterlebniszentren oder Streuobstpfade. Manche Schulen legen neben ihren Schulgärten inzwischen auch Streuobstwiesen an. Nur wenn das Wissen um die Bedeutung und Pflege dieser wertvollen Biotope auch den nächsten Generationen erhalten bleibt, hat die Streuobstwiese auch in Zukunft eine reale Chance.

Was alles an so einem eigentlich einfachen Thema wie mähen dran hängt und welche enorm wichtige Aufgabe die (korrekte) Mahd mit ihren Auswirkungen auf den Pflanzen-, Blüten-, und somit z.B. auf den Insektenbestand (Beispiel Bienen!!! – hierüber habe ich bereits in einem früheren Beitrag geschrieben) hat und damit im Umkehrschluss auch wieder auf die Streuobstwiese und die Natur an sich werde ich im nächsten Beitrag zur Streuobstwiese erläutern.
Danach und etwas ausführlicher folgen Beiträge über die Wildbienen und später dann natürlich auch zum Baumschnitt.

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