Wildbienen in der Streuobstwiese (Teil 1)

Wildbienen sind ungemein wichtig! Wir sind darauf angewiesen, dass sie und andere Insekten unsere Kulturpflanzen bestäuben. Der monetäre Wert der Insekten-Bestäubung in Europa liegt bei über 14 Milliarden Euro pro Jahr. Wer Äpfel, Birnen, Erdbeeren oder Himbeeren mag, dem sollte auch der Schutz der Wildbienen am Herzen liegen! 

Doch viele der Wildbienenarten in Deutschland sind bedroht. Durch die industrielle Landwirtschaft mit ihrem immensen Pestizideinsatz und der Zerstörung wichtiger Lebensräume haben wir viele Wildbienenarten an den Rand des Aussterbens gebracht.

Maßnahmen zum Erhalt dieser Insekten
Über die Pflege, den Schutz du den Erhalt der Streuobstwiesen sollten auch Wohnungs- und Hausbewohner ermutigt werden, ihren Garten oder ihren Balkon, ihre Straße oder ihre Gemeinde bienenfreundlich zu machen und für die Wildbienen aktiv zu werden:
Pflanzen Sie In Ihrem Garten oder auf dem Balkon wildbienenfreundliche Blumen an denen sich die Wildbienen laben können. Als Faustregel gilt: Je vielfältiger, desto besser.
Egal ob ausgedehnte Streuobstwiesen, kleinere Privatgrundstücke oder sogar „nur“ Blumenkästen: Von einer Wildblumenwiese

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profitieren viele Wildbienenarten. Wildblumen gedeihen meist am besten auf nährstoffarmen Böden. Hierfür sollte die Humusdecke abgetragen oder der Boden mit Sand durchmischt sein. Ist der Boden vorbereitet, geht es an die Aussaat. Im Fachhandel gibt es Samenmischungen aus heimischen Arten, die an die Bedürfnisse von Wildbienen angepasst sind. Genau wie die Streuobstwiesen im Großen sollten auch Wildbienen-Wiesen maximal zweimal im Jahr und erst ab Juni gemäht werden. Am besten man greift hierfür zur Sense und lässt den Rasenmäher im Schuppen. Das Mähgut sollten dann aber entfernt werden. Wenn im Garten keinen Platz für eine Wildbienenwiese ist, kann trotzdem etwas für die freundlichen Bestäuber getan werden. Auch auf kleinen Flächen oder in Blumenkästen angebaute Heil- und Gewürzkräuter wie Salbei, Zitronen-Thymian oder Bohnenkraut sind bei vielen Wollbienen, Pelzbienen und Hummeln beliebt.
Wildbiene
Einige bei Wildbienen beliebte Pflanzen, wie Färber-Kamille oder Natternkopf, sind sogenannte Pionierpflanzen. Sie wachsen auf kargen Flächen. Hierfür kann Schotter oder Kies aufgeschüttet werden. Im Gemüsegarten erfreuen sich Masken- und Pelzbienen an stehengelassenen und blühendem Lauch, Zwiebeln, Rosen- und Grünkohl. Aber auch auf dem Balkon sind einige Blühpflanzen, wie Ranken-Glockenblume, Kornblume, Salbei oder Blaukissen von April bis Oktober nicht nur eine Augen- sondern auch eine Wildbienenweide.

Und auch durchs Nichtstun kann den Wildbienen geholfen werden: Einfach im Herbst die verblühten Stauden stehen lassen und nicht zurück schneiden. Hier finden Wildbienen Unterschlupf für den Winter. Wildbienenarten, die ihre Nester in Holz nagen, kann ein Holzstapel angeboten werden.

Für Wildbienen gut geeignete Gehölze sind u.a. Weiden, Schlehe, Süßkirsche wie man sie als Begrenzung auf Streuobstwiesen häufig vorfindet oder Beerensträucher wie Johannisbeere, Himbeere oder Stachelbeere.

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Unbedingt verzichtet werden sollte im Garten auf Pestizide und torfhaltige Blumenerde! Pestizide töten Wildbienen und viele andere Insekten und beim Torfabbau werden ökologisch wertvolle Lebensräume zerstört.

Bauen Sie Nisthilfen für die Jungenaufzucht der Wildbienen. Als geeignete Materialien hierfür bieten sich z.B. Schilf oder handelsübliche Bambusrohre, abgelagerte, unbehandelte Holzklötze mit verschieden großen Bohrlöchern oder Totholz. Bauanleitungen  oder auch fertige Insektenhäuser findet man u.a. im Internet.

Wildbienen: Ohne Bestäubung keine Früchte
Viele Kulturpflanzen müssen von Insekten bestäubt werden, um hohe Erträge zu bringen. Dabei spielen Wildbienen neben den Honigbienen eine weitaus größere Rolle als bislang angenommen.

In Europa sind etwa 150 verschiedene Nutzpflanzen und rund 80 Prozent der Wildpflanzen abhängig von der Bestäubung durch Insekten. Wildbienen benötigen Nektar und Pollen für ihre eigene Versorgung und sind ungemein eifrige Blütenbesucher. Dabei tragen sie Blütenpollen von einer Blüte zur anderen und befruchten die Pflanzen – quasi nebenher. Wildlebende Insekten erreichen dabei mit der gleichen Zahl von Blütenbesuchen einen doppelt so hohen Fruchtansatz wie Honigbienen.

Wildbienenvielfalt führt zu größeren Früchten

Der monetäre Wert der Insekten-Bestäuberleistung in Europa beträgt etwa 14,2 Milliarden Euro pro Jahr! Wildbienen leisten einen beträchtlichen Teil dieser Arbeit.
In der Forschung wurde herausgefunden: Je mehr Wildbienenarten es gibt, desto häufiger wird jede einzelne Blüte besucht. Und je häufiger eine Blüte bestäubt wird, desto größer wird die Frucht. Bis zu einem Drittel der Ernten ist unmittelbar von der Häufigkeit der Wildbienenbesuche an der Blüte abhängig. Ein weiterer guter Grund, die unterschiedlichen Wildbienen-Lebensräume wie die Streuobstwiesen zu erhalten bzw. diese in unseren ausgeräumten Agrarwüsten neu zu schaffen! Und: Um so industrialisierter und größer die Ackerflächen werden, desto stärker hängt der Ertrag der Landwirtschaft von den Wildbienen ab. Wildbienen sichern aber nicht nur die Ernteerträge, sondern auch die Vielfalt und das Überleben unzähliger Wildpflanzen! Viele Wildbienenarten bestäuben im Laufe des Jahres in den verschiedensten Ökosystemen die unterschiedlichsten Blütenpflanzen.

Mit der Gefährdung vieler Wildbienenarten durch die anhaltende Zerstörung der Lebensräume in unseren Landschaften bedrohen wir also nicht nur eine faszinierende Insektengruppe. Wir setzen die vielleicht wichtigsten Arten unserer Ökosysteme aufs Spiel!

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