Typisch Deutsch oder typisch Wohnmobiler???

Nur ein paar Gedanken zur „Womo-Szene“  – bitte nicht aufregen!

Einmal im Monat erwarte ich gespannt die Zustellung der neuen Ausgabe „unseres“ Reisemobil-Magazins.

1. Schritt: Durchsicht der Leserbriefe
2. Schritt: Durchsicht der Stellplatzangebote
3. Schritt: Lesen des Magazins von vorne bis hinten

Der 1. Schritt belustigt, verärgert und verwundert mich meistens gleichermaßen:

Wir haben ein wunderbares Hobby. Und für viele ist das Wohnmobil-Reisen sogar noch viel mehr als nur ein Hobby.
Aber vielleicht fehlt vielen die langsame, stetige Entwicklung hierzu.
Geht es vielen vielleicht zu schnell mit dem Einstieg ins „reisemobile Leben“?
Kredit aufnehmen oder – wenn’s geht – Haus und Hof verkaufen und her mit dem Wohnmobil. Und ab ins neue Leben. Kann das so funktionieren?

Manchmal denke ich, manche sollten erst einmal ein paar Tage (Wochen) im Zelt oder im Klein-Camper verbringen bevor sie als „Einsteiger“ mit dem großen/tollen/teuren/besseren … Reisemobil loslegen.

Warum ich das denke?
Eigene Beobachtungen auf Stellplätzen und o.g. „Schritt 1“.

Auf Stellplätzen müssen wir leider immer mehr Intoleranz und ein eigenartiges Verhalten untereinander feststellen. Nicht dass wir jetzt großen Wert darauf legen, mit jedem gleich per Du zu sein oder über ein paar Bier zu großen Verbrüderungsszenen zu gelangen (wobei ich nichts gegen ein paar Bier habe …), aber als „Gleichgesinnte“ kann man immer weniger Mobilisten bezeichnen.

Man grüßt sich unterwegs nicht mehr bzw. immer weniger.
Man schlappt auf dem Stellplatz ohne „Guten Morgen“ oder ein „Hallo“ aneinander vorbei, sitzt hinter geschlossenen Vorhängen im Mobil, beobachtet und notiert, was andere so tun und schreibt nach der Rückkehr einen Leserbrief über lärmende Kinder oder kläffende Hunde.
Man lästert über die „alte Schrottkiste“ von nebenan oder den „eingebildeten Affen mit seinem Protzmobil“.

Sicher, wenn ein Platz eh’ schon voll ist, sollte man nicht gerade für Bekannte die später anreisen mittels Stühlen etc. reservieren. Entweder man kommt zusammen an oder derjenige, der später kommt hat eben einfach Pech gehabt, wenn’s voll ist. Und wenn’s nicht voll ist? Muss man immer unbedingt nebeneinander stehen? Aber wer zuerst kommt malt zuerst (ist zwar ein alter Spruch, aber es ist halt mal so)!
Aber muss man sich via Leserbrief jetzt auch schon beschweren, wenn (Zitat = aus einem Leserbrief der Ausgabe 3/2014 unseres Reisemobil-Magazins): „jemand auf parzellierten Plätzen Reservierungen in Form von Stühlen vornimmt, obwohl weit und breit kein anderes Fahrzeug zu sehen ist“ und den Nachbarn auch noch darauf ansprechen? Sorry – aber gerade wenn ein Platz leer ist machen wir das auch (uns ausbreiten), gerade dann stört’s ja (eigentlich) Keinen. Und theoretisch habe ich, wenn ein Platz leer ist, ja gar keinen (direkten) Nachbarn.
Muss man einen Leserbrief schreiben, wenn in einem Reparaturtipp statt von einem „Schraubendreher“ von einem „“Schraubezieher“ die Rede ist. (Leserbrief aus 4/2014)

Man beschwert sich über „sauteure“ Stellplätze, fordert aber gleichzeitig alles Drum und Dran bis hin zu Dusch-/Sanitärcontainern, Waschmaschinen und Trockner und, und, und …
Man erwartet den Bäcker am Morgen, das Restaurant um die Ecke für abends, den See vor der Womo-Tür und die Seilbahn zum Berg direkt nebenan, 50 Meter ins Stadtzentrum und zum Supermarkt aber dabei auch völlige Ruhe – und das alles möglichst umsonst.
Und sollte es doch was kosten haut man dann – falls möglich – morgens bevor der/die  Kassierer(in) kommt schnell ab, um ein paar Euros zu sparen.

Wenn man lange und viel unterwegs ist, braucht man das mit den Containern, Duschen, Wäschetrocknern etc. schon mal – keine Frage. Aber hierfür gibt’s ja auch noch Campingplätze, genauso wie für lange Aufenthalte. Oder Stellplätze, welche man an Hand dieser Ausstattung gezielt anfahren kann. Muss man dann eben auch bezahlen! 
Irgendwie habe ich aber in letzter Zeit das Gefühl, der Grund-gedanke des Urlaubs mit dem/im Reisemobil und der Übernachtung auf Stellplätzen geht immer mehr verloren und manchem „Neu-Mobilisten“ auch völlig ab.

Eigentlich habe ich das Gefühl, viele tun sich mit dem Erwerb eines Wohnmobils nicht Gutes: Überforderung, generelle Unzufrieden-heit, Neid oder nur die Enttäuschung darüber, dass eben doch nicht alles so toll ist und funktioniert wie man sich das vorgestellt hat mit der „großen Freiheit“.

Bei anderen Hobbies (Modellbau, Fotografie oder auch beim Sport) stellt man einen ganz anderen Zusammenhalt und Umgang mitein-ander fest als beim Hobby Reisemobil.

Ich möchte hier nicht auch noch nur motzen und maulen.
Aber:
Wir haben das Wohnmobil wegen dem freien Reisen, dorthin wo wir hin wollen und bleiben wie wir möchten.
Wir haben (hatten) das Wohnmobil, auch weil wir mit den Kindern einen anderen Urlaub als im Hotel verbringen konnten.
Wir haben das Wohnmobil, weil wir so Küche, Klo und Waschbecken/Dusche dabei haben.
Wir haben das Reisemobil, weil wir weiter ziehen können wenn uns was nicht passt und von vorn herein gar nicht erst bleiben, wenn es uns zu teuer, zu laut oder zu voll ist oder sonst irgendwas ist, was uns nicht gefällt.
Und wir haben das Reisemobil der Entwicklung wegen: eben vom Zelt an über den Klein-Camper zum Aktuellen. Es ist mit den Ansprüchen (und auch mit der Familie) gewachsen und nicht zuletzt
haben wir das Wohnmobil, weil wir uns damit identifizieren können, weil wir damit glücklich sind und weil wir mit dieser Art und Weise unsere freie Zeit zu verbringen zufrieden sind – und weil wir so immer wieder neue Bekanntschaften (manchmal auch Freundschaften) schließen, an die wir uns aber nicht binden müssen und danach wieder tun und lassen können was wir wollen.

Aber wir wissen, wo und wie wir angefangen haben – egal was heute ist: ganz unten und ganz klein!
Und wir brauchen auch heute noch „nur“ kleine, einfache, günstige Stellplätze. Hauptsache V+E ist vorhanden. Und wenn nicht geht’s auch mal ohne.
Wenn wir auf dem zentralen Platz in der Stadt stehen wissen wir, dass es laut werden könnte. Wenn wir frei und allein irgendwo stehen wissen wir, dass es einsam werden wird.
Und auch das ist das Schöne am Wohnmobil: Eigentlich kann das ja jeder halten wie er will – und müsste sich eigentlich später über (fast) nichts beschweren!

Leute! Da gebt ihr 40 – 50.000,- Euro und mehr aus nur um euch ständig zu ärgern? Denkt doch mal ein wenig um. Freut euch über das was ihr habt und gebt den anderen die Möglichkeit, ihre Freiheit auch zu genießen es ist nur ein klein wenig mehr Toleranz nötig – eigentlich sind wir doch alle irgendwie gleich.

Und früher war übrigens nicht alles besser – es war nur alles ein klein wenig anders!

Sollte sich vielleicht mal der Eine oder Andere Gedanken darüber machen – und sich durch meine Gedanken nicht so sehr auf den Schlips getreten fühlen …

Wie Eingangs schon erwähnt – es sind meine ganz eigenen Gedanken hierzu – und die sind bekanntlich (auch) frei.

In diesem Sinne
Hanse

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